Gestatten: Texterin

Fragen wie ‚Warum sollte ich denn nun ausgerechnet Sie mit einem Text beauftragen?‘ oder ‚Einen Text schreiben kann ich auch. Was machen Sie denn anders?‘ kenne ich nur zu gut. Aber weshalb werden diese Fragen eigentlich gestellt? Wie lautet die Antwort darauf?

Diese Fragen möchte ich heute gern näher beleuchten. Zu diesem Zwecke habe ich einen Text für Sie, an dessen Beispiel Sie den Sinn eines Texters einwandfrei erkennen können. Selbstverständlich sage ich nicht, woher dieser Text kommt, ich möchte niemanden bloßstellen. Also, schauen Sie sich den Text doch zu allererst einmal an.

Text Korrektur

Na, konnten Sie schon einige Dinge erkennen, die Sie anders gemacht hätten?

Nun, sehen wir uns den Text genauer an. Ich werde nur einige Sätze mit Ihnen betrachten. Zum einen wird der Blogpost sonst zu lang, zum anderen möchte ich nur an einigen Beispielen erläutern, warum Texter einfach besser Texten können. Es ist gar keine Frage, dass ohnehin jeder einen anderen Text zu diesem Thema verfassen würde.

Satz Nr. 3: Hier geht es einfach um eine Stilsache: Man fängt einen Satz niemals mit ‚und‘ an. Hier ist es zwar als Stilmittel gebraucht, in meinen Augen allerdings nicht sinnvoll eingesetzt. Man sollte das „und“ an dieser Stelle eher weglassen.

Satz Nr. 4: Am Ende des Wortes ‚gib‘ fehlt schlichtweg der Buchstabe ‚t‘ – so etwas darf einfach nicht passieren. Außerdem werden hier die Tees als ‚Schwarze, Grüne und aromatisierte Tees‘ beschrieben. Genauso wie ‚aromatisierte‘ handelt es sich hier um ’schwarze und grüne‘, klein geschriebene, Tees, denn hier geht es um die Beschreibung des Tees selbst. Ich bin selbst leidenschaftlicher Teetrinker und sehe schwarzen und grünen Tee nicht als Eigennamen an. Würde dort ‚Grüntee‘ oder ‚Schwarztee‘ stehen, wäre es hingegen richtig.

Satz Nr. 5: Dieser Satz beginnt ganz grässlich mit ’sondern‘. Dieses ’sondern‘ gehört zum Satz davor und sollte dort nach einem Komma folgen, statt einen Satz zu eröffnen. Hier kann man auch nicht mehr von einem Stilmittel sprechen. Zudem handelt es sich um keinen vollständigen Satz, ein Verb ist gar nicht vorhanden (da es eben im dazugehörigen Satz vorher vorkommt).

Satz Nr. 6: In diesem Satz lesen Sie ‚[…] die Ihre Neugier und Appetit auf […]‘. Nun ja, das ist etwas unglücklich formuliert. Man würde hier einzeln lesen: ‚die Ihre Neugier und Ihre Appetit‘ – das kann so nicht stimmen. Richtig heißen müsste es also: ‚die Ihre Neugier und Ihren Appetit […]‘.

Haben Sie erkannt, welch einfache Dinge Ihren Text zu einem viel besseren machen können? Es geht doch schließlich auch darum, dass sich ein Text flüssig liest und man nicht über jedes Wort stolpert. Ich persönlich hätte den Text auch an anderen Stellen umformuliert.

Fazit: Das Stellen der Frage ‚Warum brauche ich Sie überhaupt?‘ habe ich sicher mittels des Textbeispiels überflüssig gemacht. Als Texterin schaue ich meist von außen auf das Thema, was den Überblick über Wichtiges und Unwichtiges ermöglicht. Sie stellen Fragen wie eingangs erwähnt auch aus einem naheliegenden Grund – schließlich können wir alle viel zu bestimmten Themen erzählen. Die Kunst ist es, sich zielgruppenorientiert klar und prägnant ausdrücken zu können, nur das bietet Ihnen einen Mehrwert.

Ich hoffe, Sie haben erkannt, wozu ein Texter gut ist. Es ist doch so: Sie werden (meist) nicht sagen, dass Sie es besser können, wenn jemand Ihren Router einrichtet, Ihre Website erstellt oder Ihnen in der Arztpraxis eine Diagnose stellt. In einigen Fällen könnten Sie sicher auch das selbst. Aber Sie machen es nicht. Weshalb? Weil es Experten gibt, die es einfach besser können und denen Sie vertrauen. Versuchen Sie doch, diese Einstellung auch Textern gegenüber einmal zu vertreten – es wird sich lohnen!

Veröffentlicht von Juliane Schmidt

Hallo, ich bin Texterin aus Berlin. Ich schreibe über Mode, Fotografie und Journalismus. Besucht auch meine Profile auf Twitter, Facebook und Google+