Kinder in Berlin – überall willkommen?

Als Mutter eines wenige Monate alten Kindes komme ich zwangsläufig immer mal wieder mit Menschen in Berührung, die Kinder mögen und um sich haben möchten – oder eben nicht. Insbesondere im Dienstleistungssektor stehen einem da doch oft die Haare zu Berge.

Eine kleine Geschichte aus meinem Alltag muss ich daher heute einmal zum Besten geben. 2 andere Mamas und ich gehen einmal wöchentlich zu einer (wirklich sehr anstrengenden) Sportgruppe. Vorher treffen wir uns, holen immer im gleichen Café einen coffee to go und spazieren eine Runde.

So geschah es auch diese Woche. Nur mit einem Unterschied: Statt der Trage hatte eine meiner Freundinnen den Kinderwagen dabei. Nachdem wir also in einem sehr schlecht besuchten und daher wirklich gähnend leeren Café (sogar der Barista machte eine Pause!) unseren Kaffee bestellt und bezahlt hatten, sagte uns die Kassiererin, wir mögen bitte draußen warten. Verblüfft sahen wir sie an. Weshalb sollten wir das tun?

Die Antwort war: „Ihr müsst mit dem Kinderwagen draußen warten, das geht hier drin nicht“. Wer mich kennt, weiß, was passierte. Ich ging nämlich nicht nach draußen. Soweit kommt es noch! Wohlgemerkt, es war sehr kalt draußen, kaum jemand im Café und wir hatten bereits bezahlt – erst danach kam der Hinweis. Nachdem ich der Bedienung hinter der Theke also mehrfach sagte, dass wir nicht draußen warten, kam der Chef um die Ecke.

Auch er sagte uns, wir müssten draußen auf unseren Kaffee warten. Ich entgegnete: Nein, machen wir nicht. Er schaute mich verwundert an – offenbar folgen sonst alle kritiklos seinen Anweisungen. Ich wies ihn drauf hin, dass wir jede Woche kommen und ich auch sonst meine Kaffeebohnen bei ihnen kaufe, da lenkte er plötzlich ein, dass wir doch nicht hinaus gehen müssten. Ach was!

Wir zogen mit unserem Kaffee von Dannen und waren völlig geschockt. Es ging hier nicht darum, in der Öffentlichkeit zu stillen und die Brüste auf den Tisch zu packen, sondern um das zweiminütige Verweilen mit einem Kinderwagen beim Warten auf den coffee to go! Ich rate also gleich einmal jedem, nicht in „Die Röststätte“ in der Ackerstraße zu gehen.

Uns fiel eine andere Rösterei ein, die wir uns gleich für die nächste Woche anschauen wollten und liefen guter Dinge dorthin. Was uns aber dort an der Tür erwartete, schlug jedem Fass den Boden aus. Es gab ein „Kinderwagen verboten“-Schild. Gleich über dem Hinweis, dass Hunde aus Hygienegründen draußen warten müssten. Oha, so wird man also vom Betreiber bei „The Barn“ in der Auguststraße angesehen, danke! Unsere Kinder und dazugehörigen Kinderwagen bringen offenbar Keime in seinen Laden – die er nicht bei seiner Kippenpause uns anschließenden Kaffeezubereitung ohne Hände zu waschen mitbringt, ganz zu schweigen von seinen langen, ungewaschenen Hipsterhaaren, die im Kaffee landen können… Es geht hier nicht darum, ob das Café klein ist oder nicht, es geht hier um die Tatsache des Hinweisschildes.

Leute, ihr seid Café-Inhaber, ihr seid nicht mit der Forschung eines Krebsheilmittels beschäftigt. Also kommt bitte runter! Kinderwagen gehören dazu, auch ihr habt mutmaßlich einmal in einem gelegen und gesessen. Eure Mamas würden sich für euch schämen. Und noch etwas. Einer Anzeige wegen Diskriminierung werdet ihr wohl über kurz oder lang nicht aus dem Weg gehen können, denn erinnert euch, vor nur wenigen Jahrzehnten hingen schon einmal Schilder an sämtlichen Läden, dass bestimmte Menschen draußen bleiben müssen…

Veröffentlicht von Juliane Schmidt

Hallo, ich bin Texterin aus Berlin. Ich schreibe über Mode, Fotografie und Journalismus. Besucht auch meine Profile auf Twitter, Facebook und Google+