Die Kostenloskultur

Erst kürzlich habe ich über das Praktikanten-Phänomen in Deutschland berichtet. Nun ein ähnliches Thema: Einige Firmen bzw. Einzelpersonen schreiben Projekte für Freelancer aus – tolle Sache. Aber woran liegt es, dass viele dieser Projekte „ohne Vergütung“, „ohne Gegenleistung“ erledigt werden sollen? Und: Welche Qualität und Motivation wird hier erwartet? Freelancer heißt nicht, „for free“ zu arbeiten.

Freelancer ist man, da man die Vielfalt der Projekte und Kunden liebt und immer wieder aufs Neue seine Kreativität entfalten kann. Niemand ist Freelancer, um Referenzen zu sammeln; bei hoher qualitativer Arbeit kommen diese Referenzen von ganz allein. Ist man mit dem Auftraggeber nicht befreundet etc., erklärt sich mir keineswegs, weshalb etwas umsonst erarbeitet werden soll. Sicher haben kleinere Unternehmen bzw. Privatpersonen ein schmales Budget, aber warum wird es dann nicht für eine geringe finanzielle Gegenleistung ausgeschrieben? Kein Freelancer wird ein interessantes Projekt dann ausschlagen.

Wir leben in einer freien Marktwirtschaft, hier erhält man für eine Dienstleistung ein mehr oder minder gutes Produkt und zahlt dafür – ganz klar. Es geht doch auch niemand in ein Bekleidungsgeschäft und sagt „Ich hätte gern dieses T-Shirt. Allerdings bin ich nicht bereit, dafür zu zahlen“. So funktioniert die Welt nun einmal nicht… Daher mein Aufruf an alle, die Projekte ausschreiben: Hört bitte auf, Projekte „für umsonst“ auszuschreiben und legt ein Budget fest – niemand bietet Qualität und Leistung kostenfrei an!

Veröffentlicht von Juliane Schmidt

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