BWL’er – Einer für alles? oder: Praktikanten braucht die Welt

In der letzten Zeit ist mir eine Sache massiv negativ aufgefallen: Auf der Suche nach Mitarbeitern und Freelancern in den Bereichen Marketing/Produktmanagement und PR/Kommunikation sind die meisten Unternehmen auf der Suche nach Leuten mit einem BWL-Studium.

Ich frage nun ganz direkt: Warum? Sind die Unternehmen der Ansicht, dass PR und Kommunikation von BWLern ausgeführt werden sollten, die in diesem Bereich nicht ausgebildet wurden und unter denen der ein oder andere kommunikativ sicher keine Meisterleistungen erzielt? Und weshalb sucht man im Marketing BWLer? Welche Kreativität erwartet man denn? Sind kreative Berufe dafür nicht weitaus besser geeignet?

Ich möchte hier keinem BWLer auf die Füße treten, keinesfalls, ich bewundere euch für eure Aufgabenfelder. Allerdings stellt sich mir dir Frage: Seid ihr wirklich die Lösung für jedes einzelne Tätigkeitsfeld?

Noch eine weitere Sache ist mir aufgefallen: Jegliche deutsche Unternehmen scheinen in Praktikanten die Lösung für alles zu sehen. Aber ist das nicht doch etwas, über das man einmal diskutieren sollte? Ist es aus Unternehmenssicht wirklich sinnvoll, einen Monat für die Einarbeitung eines Mitarbeiters zu verbrauchen, um dann zwei kurze Monate eine Arbeitskraft mit höchstens halber Leistung zu beschäftigen? Sicherlich tragen heute auch Universitäten zu dem Erscheinungsbild des Praktikanten bei, indem sie von ihren Studenten so viele Praktika wie möglich fordern. Aber warum besteht die deutsche Mentalität darin, dies gleich auszunutzen? Die meisten Praktikanten erhalten kein Geld – wenn überhaupt höchstens 400€ monatlich. Liebe Unternehmen, ist das ein Anreiz, der zu Höchstleistungen anspornt? Nicht zu vergessen: Was denken wohl die festen Mitarbeiter, wenn Praktikanten ihr Tätigkeitsfeld überschwemmen und somit die Grenzen zwischen Professionalität und einem kurzen Stelldichein verschwimmen? Lernen Praktikanten dabei wirklich etwas für die Zukunft, in einer Zeit, in der Arbeitgeber bei einer Einstellung grundsätzlich mindestens zwei Jahre Berufserfahrung voraussetzen, die durch den kurzweiligen Einsatz von Praktikanten kaum mehr zu erlangen sind? Ob Deutschland sich so weiterentwickeln kann und auch eigene Ideen auf den Markt bringt, bleibt zu bezweifeln.

Kurze Erwähnung am Rande sollte bei diesem Thema der Artikel Sascha Lobos im „Spiegel Online“ finden, der sich sehr realistisch mit der deutschen Herangehensweise an das Thema „Internet“ auseinandersetzt.

Veröffentlicht von Juliane Schmidt

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